Stadt Greven will mit einem 4-Mio. Euro Kredit  0,1% an der THÜGA AG erwerben.  

Die Grevener Versorgungs- und Verkehrsholding GmbH (GVVH) mit ihrem Geschäftsführer Schäpermeier, ihrem Aufsichtsratsvorsitzenden Roland Post (ProG), ihrem Gesellschaftervertreter Korfsmeier (CDU) und Bürgermeister Vennemeyer (SPD) will einen Kredit von 4 Mio. Euro aufnehmen, um damit die THÜGA-Anteile an den Stadtwerken zu kaufen. (Zur Erinnerung: Die GVVH ist das Dach für die 3 städtischen Gesellschaften Stadtwerke GmbH, Bäder GmbH und Verkehrsbetriebe GmbH.)

Planen CDU, SPD und ProG die Schließung der Grevener Bäder?

Die GVVH verdient kein eigenes Geld, sondern bekommt den Überschuss aus den Gewinnen der Stadtwerke, nachdem diese zuvor die Defizite der Bäder und der Verkehrsbetriebe ausgeglichen haben. Für das Jahr 2008 hatte die GVVH einen Gewinn von 30.000 € erwartet - also sozusagen Peanuts. In den davor liegenden Jahren sind teilweise erhebliche Überschüsse angefallen, deren größter Teil in den FMO geflossen ist. Aus diesem Grund gibt es auch keine Rücklagen bei der GVVH. Das heißt: Die GVVH hat nichts und muss daher den kompletten Anteil an der THÜGA fremd finanzieren. Da sie weder Vermögen noch Rücklagen hat, gibt es vermutlich nur zwei Wege, diesen Kredit von einer Bank zu bekommen. Entweder plant die Koalition aus CDU, SPD und ProG die baldige Schließung von Hallenbad und/oder Freibad - denn damit könnte sie die Überschüsse der GVVH deutlich erhöhen. Oder aber sie braucht zur Absicherung des Kredits eine Bürgschaft, für die nach Lage der Dinge nur die Stadtwerke oder die Stadt Greven in Frage kommen. In diesem Fall wäre es wahrscheinlicher, dass die Stadt Greven mit einer Bürgschaft einspringen würde, wie sie es schon mit fast 6 Mio. Euro beim FMO vorexerziert hat. Und bei einem Schuldenstand von fast 100 Mio. Euro kommt's auf diese Kleinigkeit von 4 Mio. Euro auch nicht mehr an ...

Welche Argumente werden für den Erwerb der THÜGA-Anteile genannt?

1)
Sicherung von Einfluß bei dem in Zukunft fünftgrößten deutschen Energiekonzern ? Das ist Unfug, denn mit einem Anteil von 0,1 % hat man keinen Einfluss. Und aus demselben Grund ist auch die Aussage des Bürgermeisters "Wir sind THÜGA" mit demselben Kommentar zu versehen.

2)
Die Rendite soll über Zins und Tilgung liegen. Nun, gerade Greven sollte mit solchen Prognosen vorsichtig sein und aus den unseligen Grundstückskäufen gelernt haben. Andernorts gilt jedenfalls noch immer das Sprichwort "Gebranntes Kind scheut das Feuer!" Und wie schief derartige Vorhersagen auch heutzutage liegen können, zeigt der Scherbenhaufen am Airportpark, zeigen aber auch die ständigen Defizite des FMO (mit einem Schuldenstand von 95 Mio. €), die auch durch Schönreden der Herren Stöwer und Kubendorf nicht kleiner werden. Und wer Anteile an einem Unternehmen "auf Pump" kauft in der Hoffnung auf saftige Ausschüttungen, verstößt gegen eine eherne Empfehlung im Geschäft mit Aktien, die man auch hier anweden kann: Kaufe sie nie auf Kredit - denn wenn die Kurse sich anders als erwartet entwickeln, kommst Du in größte Schwierigkeiten. Schließlich: Wenn die Herren Schäpermeier, Post, Korfsmeier und Vennemeyer auf eine hohe Rendite setzen, um daraus den Zins und die Tilgung des Kredits zu finanzieren, setzen sie tendenziell auf hohe Energiepreise - denn ansonsten kann die Rechnung nicht aufgehen.

3) Der neue fünftgrößte Energieversorger werde ein
kommunaler Spieler, wie Bürgermeister Vennemeyer den dritten Vorteil darstellt. Doch welchen Nutzen soll der Energiekunde davon haben? Die Stadtwerke Greven gehören bisher schon zu einem "kommunalen Spieler" - nämlich zum Verband kommunaler Unternehmen. Dieser Verband hat sich in den letzten Jahren bei seinen Forderungen und in seiner kundenfeindlichen Haltung in nichts von den großen Energieunternehmen unterschieden. Es gibt keinerlei Anhaltspunkte dafür, dass sich das bei der „neuen“ THÜGA AG ändern wird.

4) Trägt die Beteiligung an dem neuen Unternehmen zur
Versorgungssicherheit und zu günstigen Energiepreisen bei? Auch dafür gibt es keine Anhaltspunkte, und die Versorgungssicherheit war auch bisher nicht gefährdet. Sie könnte viel einfacher gesichert werden, wenn auch am Grevener Gasmarkt endlich Wettbewerb eintreten würde, bei dem der Kunde unter vielen Anbietern wählen kann. Und dass die Zugehörigkeit zu einem "Großen" zu günstigeren Energiepreisen führt - das wurde vor Jahren schon im Zusammenhang mit der THÜGA-Beteiligung an den Stadtwerken behauptet - aber gestimmt hat das Argument nie. Im Gegenteil: Dort wo die THÜGA alleine zu bestimmen hatte, waren die Preise in der "Oberliga". Und noch einmal: Das Finanzierungsmodell für die THÜGA-Beteiligung setzt auf hohe Gewinne - und damit auf tendenziell steigende Energiepreise. Das liegt gewiss nicht im Interesse des Verbrauchers!

Kein stichhaltiges Argument für den Erwerb von THÜGA-Anteilen "auf Pump" durch die Stadt Greven

Es gibt daher
keinen einzigen Grund für die Stadt Greven, ein neues Schuldenloch aufzumachen, das deren Handlungsfähigkeit weiter einschränkt. Die Meldung des gestrigen Tages, dass die Stadt Greven aus Geldmangel einigen Kindern den Zugang zur Offenen Ganztags-Grundschule verwehrt hat, sollte den Ratsmitgliedern von CDU, SPD und ProG Anlass genug sein, über die Folgen ihrer Schuldenpolitik nachzudenken.

Und schließlich eine Bemerkung zum Kommentar Ulrich Reskes in den Westfälischen Nachrichten vom 6.6.2009: Die sog. Gasrebellen haben kein Problem mit den Grevener Stadtwerken - sofern sie eine transparente und verbraucherfreundliche Energiepolitik betreiben. Sie werden sich aber überlegen müssen, wie sie mit jenen Politikern umgehen wollen, die sich anschicken, mal wieder
Monopoly auf Kosten der Bürger zu spielen.

 

Dr. Joachim Hamers

 

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